Konzernrechnung

Risk Management 

Enterprise Risk Management als ganzheitlicher Risikoprozess wurde im Jahr 2016 auf allen Stufen des Konzerns systematisch angewendet. Die drei Divisionen, die Konzernführung sowie alle wichtigen Konzerngesellschaften erstellten im Mai und November eine Risikoübersicht mit den wesentlichen Risiken in den Bereichen Strategie, Märkte, Betrieb, Management und Ressourcen, Finanzen sowie Nachhaltigkeit. Die Gliederung der Eintretenswahrscheinlichkeit erfolgte in vier Kategorien. Wo möglich und sinnvoll, wurden die erfassten Risiken unter Berücksichtigung von bereits umgesetzten Massnahmen quantifiziert; ansonsten kam eine qualitative Bewertung zur Anwendung.

Das aus Vertretern der Divisionen und der Konzernführung zusammengesetzte Risk Council unter der Leitung des Chief Risk Officers traf sich zu zwei Sitzungen, die folgende Themen zum Inhalt hatten: Optimierung der Integration von Nachhaltigkeits- und Compliance-Risiken und Risiken der Strategie 2020 ins Berichtswesen sowie Analyse der Risikoübersichten.

In Übereinstimmung mit der halbjährlichen Berichterstattung behandelten die Konzernleitung und das Management der Divisionen das Thema Enterprise Risk Management im Berichtsjahr je zweimal. Dabei wurden stufengerecht die wesentlichen Risiken von Konzerngesellschaften, Divisionen und Konzern bestimmt und geeignete Massnahmen zur Risikoreduzierung definiert. Der Verwaltungsrat befasste sich im September 2016 mit dem Thema Enterprise Risk Management. Dabei analysierte er die präsentierten Risikoübersichten und bestimmte die aus seiner Sicht wesentlichen Risiken und Massnahmen zur Risikominimierung.

Das stufenweise Vorgehen mit Workshops für das Management der Divisionen, die Konzernleitung und den Verwaltungsrat hat sich bewährt, ebenso die Prüfung der Risk Maps der Konzerngesellschaften durch die Interne Revision.

Als wesentliche Risiken wurden politische und wirtschaftliche Risiken in China, die Überkapazität von gewissen Geschäftseinheiten in Europa sowie die zu langsame Neuentwicklung von kundenfreundlichen Produkten erkannt. Massnahmen zur Reduzierung dieser und anderer Risiken wurden definiert und befinden sich in Übereinstimmung mit strategischen Zielen des Konzerns und der drei Divisionen in der Umsetzung.

Finanzielles Risikomanagement

Der Verwaltungsrat hat die oberste Verantwortung über das finanzielle Risikomanagement. Er hat das Audit Committee ­beauftragt, die Entwicklung und Durchsetzung der Grundsätze für das Risikomanagement zu überwachen. Das Audit Committee berichtet über diesen Sachverhalt regelmässig an den Verwaltungsrat.

Die etablierten Grundsätze für das Risikomanagement sind darauf ausgerichtet, die Risiken, denen der Konzern ausgesetzt ist, zu identifizieren und zu analysieren sowie Kontrollen zu etablieren. Die Grundsätze des Risikomanagements sowie die angewandten Prozesse werden regelmässig überprüft, um Veränderungen im Marktumfeld sowie in den Tätigkeiten des Konzerns zu berücksichtigen. Es ist das Ziel, durch die bestehenden Ausbildungs- und Führungsrichtlinien und -prozesse ein Kontrollumfeld zu entwickeln, das einen disziplinierten und bewussten Umgang mit den Risiken gewährleistet. Das Audit Committee wird dabei vom Leiter Konzernstab Finanzen & Controlling unterstützt.

GF ist aufgrund seiner Geschäftstätigkeit verschiedenen finanziellen Risiken ausgesetzt, die das Kreditrisiko, das Marktrisiko (Währungs-, Zins- und Preisrisiko) und das Liquiditätsrisiko betreffen. Die nachfolgenden Abschnitte geben einen Überblick über das Ausmass der einzelnen Risiken sowie die Ziele, Grundsätze und Prozesse für die Messung, Überwachung und Absicherung der finanziellen Risiken.

Kreditrisiko

Das Kreditrisiko ist das Risiko, finanzielle Verluste zu erleiden, wenn ein Kunde oder eine Gegenpartei eines Finanzinstruments seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Das Kreditrisiko bei GF entsteht hauptsächlich aus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Bankguthaben.

GF investiert seine liquiden Mittel vorwiegend als Einlagen bei bedeutenden Schweizer und deutschen Banken mit einem Rating von mindestens BBB–. Gemäss der Anlagepolitik von GF werden diese Geschäfte nur mit kreditwürdigen kommerziellen Instituten abgewickelt. Diese Anlagen haben im Allgemeinen eine Laufzeit von unter drei Monaten. Daneben werden von den Konzerngesellschaften Kontokorrentguthaben bei Banken gehalten. Um die Gegenparteirisiken zu beschränken, werden die liquiden Mittel gezielt auf mehrere Banken verteilt. Der Maximalbetrag je Bank ist festgelegt in Abhängigkeit des Ratings der entsprechenden Banken.

Geschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten werden ebenfalls nur mit bedeutenden Gegenparteien mit einem Rating von mindestens BBB– abgeschlossen. Diese dienen der Absicherung von Währungsrisiken und Preisschwankungen beim Einkauf von Rohstoffen und Strom im Konzern.

Die Gefahr von Klumpenrisiken bei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist durch die grosse Anzahl und die breite geografische Streuung der Kundenguthaben beschränkt. Das Ausmass des Kreditrisikos wird hauptsächlich durch die individuellen Charakteristiken jedes einzelnen Kunden bestimmt. Die Risikobeurteilung beinhaltet eine Prüfung der Kreditwürdigkeit basierend auf den finanziellen Verhältnissen des Kunden sowie Erfahrungen aus der Vergangenheit. Im Rahmen der Überwachung der Ausfallrisiken werden Kunden aufgrund der relevanten Faktoren gruppiert. Dazu gehören die geografische Herkunft, die Branche sowie etwaige frühere finanzielle Schwierigkeiten.

Das maximale Kreditrisiko auf Finanzinstrumenten entspricht den Buchwerten der relevanten finanziellen Aktiven. Es bestehen keine nennenswerten Garantien und ähnlichen Verpflichtungen, die zu einer Erhöhung des Risikos über die Buchwerte hinaus führen könnten. Das maximale Kreditrisiko per Bilanzstichtag war wie folgt:

Mio. CHF

 

2016

 

2015

 

 

 

 

 

Flüssige Mittel

 

571

 

549

Übrige Forderungen 1

 

23

 

24

Rechnungsabgrenzungen

 

21

 

19

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

 

666

 

640

Derivative Finanzinstrumente

 

4

 

5

Übrige Finanzanlagen 2

 

8

 

11

Total

 

1’293

 

1’248

1 Ohne Steuerrückforderungen.

2 Betrifft Darlehen an Dritte, Kautionen sowie langfristig gehaltene Wertschriften zur Sicherstellung von Pensionsverbindlichkeiten.

Marktrisiko

Das Marktrisiko ist das Risiko, dass Veränderungen bei Marktpreisen wie Wechselkursen, Zinssätzen und Börsenkursen eine Auswirkung auf den Gewinn und den Marktwert der durch GF gehaltenen Finanzinstrumente haben können. Das Ziel des Managements von Marktrisiken ist die Überwachung und Kontrolle von solchen Risiken, um sicher­zustellen, dass diese Risiken einen bestimmten Umfang nicht überschreiten.

Währungsrisiko

GF ist aufgrund seiner internationalen Ausrichtung Fremdwährungsrisiken ausgesetzt. Diese Finanzrisiken treten bei Transaktionen auf, die in von der Funktionalwährung der betroffenen Gesellschaft unterschiedlichen Währungen stattfinden, insbesondere bei Wareneinkäufen und Warenverkäufen. Solche Transaktionen werden hauptsächlich in Euro und US-Dollar abgewickelt. Durch währungskongruentes Einkaufen und Produzieren der Waren werden die Fremdwährungsrisiken reduziert. Fallweise werden die verbleibenden Fremdwährungsrisiken über Devisentermingeschäfte in der Regel über höchstens zwölf Monate abgesichert.

Die Fair Value Hedges beinhalten Devisenterminkontrakte, die der Absicherung von Fremdwährungsdarlehen an Konzerngesellschaften dienen. Nicht realisierte Gewinne und Verluste aus Verkehrswertänderungen werden für diese Kontrakte im Finanzergebnis ausgewiesen. Des Weiteren sind Devisenterminkontrakte enthalten, die der Absicherung von Währungs­risiken auf Forderungen und Verbindlichkeiten dienen. Wie die Währungseffekte auf der zugrunde liegenden Bilanzposition werden auch die Gewinne und Verluste aus Verkehrswertänderungen dieser Kontrakte in der Position «Übriger betrieblicher Ertrag» verbucht.

Die Cashflow Hedges dienen im Wesentlichen der Absicherung von Währungsrisiken künftiger Umsätze in Fremdwährung. Das Volumen der Devisenterminkontrakte ist auf maximal 75% der erwarteten Umsätze begrenzt. Dies ergibt eine vollständige Effektivität der Absicherung. In Einzelfällen werden auftragsbezogene Geldflüsse zu 100% abgesichert. Nicht realisierte Gewinne und Verluste aus Verkehrswertänderungen werden direkt im Eigenkapital erfasst. Zum Zeitpunkt der Fakturierung und Leistungserbringung erfolgt die Übertragung in die Erfolgsrechnung, wodurch die Devisenterminkontrakte zu Fair Value Hedges werden. Des Weiteren wurden in der Berichtsperiode in geringem Umfang Währungsrisiken künftiger Wareneinkäufe abgesichert.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Kontraktwerte sowie die Marktwerte der per Bilanzstichtag offenen Devisentermingeschäfte (netto):

Devisenterminkontrakte, netto

Mio. CHF

 

Fair Value Hedges

 

Cashflow Hedges

 

2016

 

2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontraktwert

 

270

 

97

 

367

 

340

Wiederbeschaffungswert 1

 

5

 

–1

 

4

 

–1

Marktwert

 

275

 

96

 

371

 

339

1 Entspricht den unter den Wertschriften und übrigen Verbindlichkeiten bilanzierten Verkehrswerten.

In den Fair Value Hedges sind neben US-Dollar-Kontrakten auch die Kontrakte für Euro, japanische Yen und die übrigen ­Währungen enthalten. Sämtliche offenen Devisentermingeschäfte werden innert 16 Monaten nach Bilanzstichtag fällig bzw. liquiditäts- und erfolgswirksam. Bei unveränderten Währungskursen würde den Mittelabflüssen von CHF 371 Mio. (brutto) ein Mittelzufluss von CHF 367 Mio. (brutto) entgegenstehen, woraus sich der negative Wiederbeschaffungswert in Höhe von CHF 4 Mio. ergibt. Auf Cashflow Hedges entfallen Mittelabflüsse von CHF 96 Mio. und ein Mittelzufluss von CHF 97 Mio.

Kontraktwerte, netto nach Währungen

Mio. CHF

 

2016

 

2015

 

 

 

 

 

USD/CHF

 

299

 

287

SGD/CHF

 

12

 

7

TRY/USD

 

11

 

10

CNY/CHF

 

9

 

 

USD/SEK

 

8

 

4

JPY/CHF

 

7

 

4

SEK/CHF

 

7

 

5

EUR/CHF

 

2

 

19

Übrige

 

12

 

4

Total

 

367

 

340

Zinsrisiko

Das Zinsrisiko teilt sich auf in Veränderungen der zukünftigen Zinszahlungen aufgrund von Schwankungen des Marktzinssatzes und in ein zinsbedingtes Risiko einer Änderung des Marktwerts, d.h. das Risiko, dass sich der Marktwert eines Finanzinstruments aufgrund von Schwankungen des Marktzinssatzes verändert.

Marktwert-Sensitivitätsanalyse für festverzinsliche Finanzinstrumente: Im Konzern werden keine Marktwertschwankungen von festverzinslichen Finanzinstrumenten in der Erfolgsrechnung verbucht. Deshalb würde eine Veränderung der Zinssätze die ­Erfolgsrechnung nicht beeinflussen. Hedge Accounting für Zinssicherungsgeschäfte wurde bisher nicht angewendet.

Cashflow-Sensitivitätsanalyse für variabel verzinsliche Finanzinstrumente: Eine Erhöhung des Zinssatzes um einen Prozentpunkt hätte das Konzernergebnis vor Steuern um CHF 4,4 Mio. (Vorjahr: CHF 4,0 Mio.) erhöht. Eine entsprechende Reduktion des Zinssatzes hätte eine entsprechende Auswirkung in umgekehrter Richtung gehabt. Diese Analyse geht davon aus, dass alle anderen Einflussfaktoren unverändert bleiben.

Preisrisiko

Die zum Handel gehaltenen Wertschriften in Höhe von CHF 4 Mio. unterliegen dem Preisrisiko (Börsenkurs). Aufgrund des nicht wesentlichen Umfangs dieser Titel besteht keine grosse Sensitivität auf Änderungen des Börsenkurses. Es handelt sich bei diesen Wertschriften vorwiegend um Schweizer Bluechips.

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass GF seinen finanziellen Verpflichtungen bei Fälligkeit nicht nachkommen kann.

Die Sicherung der Liquidität wird permanent überwacht. Einerseits werden Liquiditätsreserven gehalten, um übliche Schwankungen im Mittelbedarf ausgleichen zu können. Andererseits stehen nicht beanspruchte Kreditlinien zur Verfügung, um grössere Schwankungen auffangen zu können. Der Totalbetrag an unbenutzten Kreditlinien per 31. Dezember 2016 belief sich auf CHF 560 Mio. Die Kreditlinien sind auf mehrere Banken verteilt, sodass keine massgebliche Abhängigkeit von einem einzelnen Bankinstitut besteht.

Die folgenden Tabellen zeigen die vertraglichen Fälligkeiten (inkl. Zinsen) der durch GF gehaltenen Finanzverbindlichkeiten am Ende der Berichtsperiode und des Vorjahres:

Mio. CHF

 

Buchwert

 

Vertragliche Cashflows

 

Bis 6 Monate

 

6 bis 12 Monate

 

1 bis 5 Jahre

 

Über 5 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

 

470

 

470

 

470

 

 

 

 

 

 

Übrige Verbindlichkeiten kurzfristig/langfristig 1

 

100

 

100

 

50

 

3

 

40

 

7

Rechnungsabgrenzungen

 

218

 

218

 

218

 

 

 

 

 

 

Anleihen

 

523

 

572

 

2

 

6

 

175

 

389

Übrige Finanzverbindlichkeiten

 

241

 

266

 

135

 

19

 

89

 

23

Total

 

1’552

 

1’626

 

875

 

28

 

304

 

419

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mio. CHF

 

Buchwert

 

Vertragliche Cashflows

 

Bis 6 Monate

 

6 bis 12 Monate

 

1 bis 5 Jahre

 

Über 5 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

 

420

 

420

 

420

 

 

 

 

 

 

Übrige Verbindlichkeiten kurzfristig/langfristig 1

 

126

 

126

 

76

 

4

 

46

 

 

Rechnungsabgrenzungen

 

198

 

198

 

198

 

 

 

 

 

 

Anleihen

 

499

 

541

 

207

 

6

 

170

 

158

Übrige Finanzverbindlichkeiten

 

271

 

304

 

147

 

25

 

95

 

37

Total

 

1’514

 

1’589

 

1’048

 

35

 

311

 

195

1 Für weitere Details vgl. Erläuterung 15.